Was sind Architekturverträge?

Was sind Architekturverträge?

Sobald das Grundstück für das eigene Haus erworben wurde, wird es Zeit, mit dem Bau zu beginnen und die verschiedenen Unternehmen zu beauftragen, erläutert Patrick Stach. Für diesen Fall werden sogenannte Architekturverträge geschlossen. Immer wieder hat Rechtsanwalt Patrick Stach aber mit Streitigkeiten wegen Architekturverträgen zu tun. Was Architekturverträge sind, was mit ihnen geregelt wird, welche Leistungen in einen Architekturvertrag gehören und ob es sich bei einem Architekturvertrag um einen Werkvertrag handelt, erklärt uns Stach.

Was sind Architekturverträge?

Mit dem Begriff Architekturvertrag, auch Architektenvertrag, sind nicht zwingend nur Leistungen gemeint, die ein Architekt erbringt, informiert Patrick Stach. Vielmehr gehören in diese Verträge alle Teilleistungen, die in der SIA-Ordnung 102 vermerkt sind. Dazu gehören: 

  • Studien
  • Kostenprognosen
  • Planerstellung
  • Bauleitung

Generell gilt die rechtliche Qualifikation des Architekturvertrages als strittig, da darin verschiedene Vertragsarten mit eingeschlossen sind. Leider suggeriert der Begriff, dass hierbei ein Abschluss mit einem Architekten stattgefunden hat, betont Stach. Da der Begriff Architekt aber nicht geschützt ist, kann eine Architektenleistung von jeder Person erbracht werden. Lediglich die Zusätze „ETH“, „HTL“ und „SIA“ sind geschützt und dürfen nur von berechtigten Personen verwendet werden. Nicht jeder abgeschlossene Vertrag mit einem Architekten ist ein Architektenvertrag. Der Architektenvertrag bezeichnet allgemein Verträge, die Architekturleistungen beinhalten, unabhängig von der ausführenden Person. 

Was kann der Architekturvertrag beinhalten?

Mit dem Vertrag können Bauherren einzelne Phasen oder den gesamten Bau regeln. Oftmals wird der „Vertrag für Architekturleistungen Nummer 1002“ des Schweizerischen Ingenieur- und Architektenvereins abgeschlossen, führt Patrick Stach weiter aus. Dieser Vertrag baut auf die „Ordnung für Leistungen und Honorare der Architektinnen und Architekten“ gemäß SIA-Ordnung 102 auf. Darin sind die wichtigsten Punkte geregelt:

  • Die Vertragsparteien werden genannt.
  • Die Vertragsgrundlage, die SIA-Ordnung 102, und unterstützend das OR.
  • Das Bauobjekt so wie bereits bekannte Wünsche und Vorstellungen des Bauherrn.
  • Die zu erbringenden Leistungen. 
  • Das Architektenhonorar und anfallende Zusatzkosten.
  • Die Aufgaben und Befugnisse des Architekten
  • Die Vertretungsbefugnis
  • Die Fertigstellungsfristen
  • Die mögliche außerordentliche Kündigung des Vertrages
  • Haftung und Versicherung

Natürlich besteht auch die Möglichkeit einen Architekturvertrag abzuschliessen, ohne die SIA-Ordnung 102 einzubeziehen. In diesem Fall gilt allein das Obligationenrecht (OR). Dabei wird aber weder der Vertragsinhalt noch die Form vorgeschrieben. Grundsätzlich sind all diese Verträge schriftlich aufzusetzen, unterstreicht Rechtsanwalt Stach. 

Welche Leistungen gehören in einen Architekturvertrag?

Um eine vollumfängliche Ausführung der gewünschten Aufgaben zu erhalten, sollten alle gewünschten Leistungen vertraglich festgehalten und vereinbart werden, informiert Patrick Stach. Dabei gliedern sich die Leistungen in einem Architekturvertrag in einzelne Phasen. Im Vertrag sollte zudem das Projektziel benannt werden, zum Beispiel Neubau Gewerbe oder Sanierung Altbau. Allgemein gliedern sich die Leistungen in 5 Phasen mit jeweils unterschiedlichen Inhalten: 

  • In der Vorprojektphase soll eine ungefähre Kostenschätzung und Zeitplanung erstellt werden. 
  • Projektphase: Diese beinhaltet die Abgabe eines Kostenvoranschlags, die Baubewilligungsverfahren sowie eine genauere Kostenschätzung und terminliche Vereinbarung. 
  • Die Vorbereitungsphase der Ausführung verlangt die Erstellung eines Terminplans, die Durchführung von Ausschreibungen und die Prüfung von Vergebungsanträgen.
  • Die Ausführungsphase beinhaltet die definitiven Ausführungspläne und Themen wie Bauleitung sowie Unternehmen- und Lieferantenverträge.
  • In der Abschlussphase müssen die Schlussabrechnung gestellt werden sowie die Dokumentation über das Bauwerk erfolgen und Garantiearbeiten geleistet werden. 

Handelt es sich bei einem Architekturvertrag um einen Werkvertrag?

Der Architekturvertrag ist nicht ausschließlich ein Werkvertrag, erläutert Patrick Stach. Darin enthalten sind sowohl Elemente des Auftrags- als auch Werkvertragsrecht. Sind die Arbeitsergebnisse messbar, wie beispielsweise bei Kostenvoranschlägen, dann ist Werkvertragsrecht anwendbar. Die Projektleitung hingegen fällt unter Auftragsrecht. Werden Aufträge an weitere Firmen vergeben, wie beispielsweise an einen Maurer, greifen die Rechte und Pflichten des Werkvertragsrechts. Im Grunde genommen sind die Grenzen hier fließend. In der Regel neigen Gerichte aber bei Streitigkeiten dazu, alle Ergebnisse, die ein Ziel hatten und überprüfbar sind, dem Werkvertragsrecht zuzuordnen, merkt Patrick Stach an.